Start Aphasie Forum Bayern

Aphasie Forum Bayern

Pressebericht: Not Mai 2011

Gemeinsam gegen die Sprachlosigkeit

Gründung des Aphasie Forum Bayern in Bad Tölz

Zu Gast im NeuroKom Isarwinkel Bad Tölz war im März 2011 die Vorstandschaft des Bayerischen Landesverbandes für die Rehabilitation der Aphasiker e.V. - Aphasie Landesverband Bayern. Ziel dieser drei Klausur-Tage war es, ein gemeinsames Konzept für das Aphasie Forum Bayern mit der Geschäftsleitung und den Logopäden des NeuroKom Isarwinkel sowie Herrn Prof. Dr. Manfred Grohnfeldt, Lehrstuhlinhaber an der Ludwig-Maximilians-Universität München zu erarbeiten.

Es soll ein Forum zur Förderung der gesellschaftlichen, privaten und beruflichen Teilhabe geschaffen werden. Aphasie-Betroffenen, deren Angehörigen, Selbsthilfeaktiven, Fachpersonen aus Medizin, Rehabilitation, Bildung und Wissenschaft wird damit ein intensiver Austausch und eine Vielzahl an weiterführenden Angeboten ermöglicht.

Der Weg zurück zur Selbstständigkeit

Aphasiker durchlaufen von Beginn ihrer Erkrankung an verschiedene Rehabilitationsstadien. Dabei steht die medizinische Rehabilitation im Akutkrankenhaus am Anfang, gefolgt von verschiedenen Reha-Phasen, die mit der Anschlussheilbehandlung in einer Reha-Klinik enden. Mit viel Glück folgt dann eine, teilhabeorientierte, nachklinische Rehabilitation, wie sie im NeuroKom Isarwinkel angeboten wird. All diese intensiven Therapiemaßnahmen in den verschiedenen Phasen werden getroffen, um dem Aphasiker zu helfen, seine Selbstständigkeit möglichst rasch wieder zu erlangen. Nach der Entlassung aus der stationären und teilstationären Einrichtung, können die Betroffenen mit ihren Angehörigen die Angebote des Aphasie Landesverbandes Bayern mit einem Netz von über 50 Selbsthilfegruppen in Bayern in Anspruch nehmen. So arbeiten sie auch nach der Reha gezielt auf die Rückerlangung ihrer Selbstständigkeit hin. Der ehrenamtliche Vorstand setzt sich aus Aphasie-Betroffenen, einer Angehörigen und einer Logopädin zusammen. Freizeitangebote, Seminare, Fortbildungen, Workshops und Schulungen für Betroffene, Angehörige sowie Selbsthilfegruppenleiter und Interessierte werden mehrmals pro Jahr angeboten.

Das NeuroKom Isarwinkel

Die individuelle, alltags- und berufsorientierte Zielsetzung im Zusammenspiel mit dem ganzheitlichen Therapieansatz des NeuroKom Isarwinkel fördert ein möglichst selbstbestimmtes Leben - während und nach dem Reha-Aufenthalt.

Das NeuroKom Isarwinkel ist Kompetenzzentrum für die Wiederbefähigung hirnverletzter Menschen zu Teilhabe. Das Reha-Haus „Neuroberufliche Rehabilitation“ (NRE) ist das erste Modul des NeuroKom Isarwinkel. Weitere Module sind das Trainingshaus „NeuroIntegrale Wildstein“(NIW) und die „Langzeitwohnformen NALF“. Die einzelnen Module lassen sich miteinander verknüpfen, sind aber auch unabhängig voneinander zu durchlaufen. Damit schließt das NeuroKom Isarwinkel die gesamte Versorgungslücke zwischen der Entlassung des hirnverletzten Menschen aus der Reha-Klinik und der privaten und beruflichen Wiedereingliederung und Verankerung in der allgemeinen Gesellschaft. Das in über fünfzehn Jahren Erfahrung erworbene Know-How lässt sich in der Umsetzung des Projektes „Aphasie Forum Bayern“ somit synergetisch nutzen. Durch die Kooperation mit der Ludwig-Maximilian-Universität München ist das NeuroKom Isarwinkel unter der Obhut von Prof. Dr. Grohnfeldt Lehranstalt für Sprachheilpädagogik und Rehabilitation. Dies gewährleistet dem NeuroKom Isarwinkel auch wissenschaftlich am Puls der Zeit zu bleiben.

Angebote des Aphasie Forum Bayern

Das Aphasie Forum Bayern wird von den beiden Geschäftsführern des NeuroKom Isarwinkel, Frau Silvia C. Ulze und Herrn Eberhard E. Bahr, und der Vorstandschaft des Aphasie Landesverbandes Bayern initiiert. In Partner-Seminaren sollen soziale Belastungen und Konflikte bewältigt werden. Pflegende Angehörige und Betroffene, die eine ständige, häufig lebenslange Nachsorge erhalten müssen, können sich in Angehörigen- und Familienseminaren mit anderen austauschen und Kraft schöpfen. Ein spezifisch auf diese Behinderung zugeschnittenes Angebot ist Ziel des Aphasie Forums Bayern. Diese und weitere Seminare sowie eine PC-Schulung für Betroffene werden ab Herbst dieses Jahres organisiert. Ein Freizeitangebot für Betroffene findet bereits im Juli statt.

Durch einen stetigen Austausch zwischen der Fachwelt und Betroffenen könnten Therapiemöglichkeiten entwickelt und vorangetrieben werden. Auch Öffentlichkeits- und Informations-Veranstaltungen werden Teil des Angebotspaketes des Aphasie Forum Bayern sein.

 

Seit März 2011 befindet sich auch die Geschäftsstelle des Aphasie Landesverbandes Bayern in den Räumen des NeuroKom Isarwinkel in Bad Tölz und wird von Frau Gudrun Döbereiner betreut.
Kontakt: Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.

 

Aphasie Forum Bayern

(v.l.) Frau Silvia Ulze, Geschäftsführung des NeuroKom Isarwinkel
Frau Caro Oesterlein
, Schatzmeisterin im Aphasie Landesverband Bayern
Frau Gaby Auer
, stellvertretende Vorsitzende im Aphasie Landesverband Bayern
Frau Doris Peschke
, angestellte Peer im NeuroKom Isarwinkel
Frau Christine Thomae
, Sprachheilpädagogin im NeuroKom Isarwinkel
(2. Reihe v.l.) Herr Eberhard E. Bahr, Geschäftsführung des NeuroKom Isarwinkel
Herr Uwe Wildberger
, Regionalgruppenbeauftragter und "Junge Aphasiker“ im Aphasie Landesverband Bayern
Herr Ralph Dürr
, Vorsitzender im Aphasie Landesverband Bayern
Herr Bernhard Obermüller
, angestellter Peer im NeuroKom Isarwinkel
Herr Prof. Dr. Manfred Grohnfeldt
, Lehrstuhlinhaber an der Ludwig-Maximilians-Universität München
Frau Xandi Schütz
, Sprachheilpädagogin, M.A. Sprachtherapie in der Neurologie Schwerpunkt Aphasie, und wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ludwig-Maximilians-Universität München

 

Text: Nuvia Ulze, Gaby Auer

 

 

Aphasie.
Was bedeutet es für den Einzelnen und die Familie?

Prof. Dr. Manfred Grohnfeldt

Eine Aphasie im Gefolge eines cerebralen Insults oder Schädel – Hirn – Traumas bricht in das Leben der Betroffenen wie ein Schlag ein. Nichts ist mehr wie es war. Das Leben nimmt eine total andere Richtung. Eine Aphasie als Folge von entzündlichen Prozessen, Tumoren oder Hirnabbauprozessen kann mit schweren krisenhaften Auseinandersetzungen über Jahre verbunden sein.

In beiden Fällen handelt es sich um existenzielle Einschnitte bzw. Phasen im Leben eines Menschen, die den Einzelnen, aber auch seine Angehörigen und sein soziales Umfeld gleichermaßen betreffen können.

Was bedeutet es für den einzelnen Aphasiker?
Die kommunikativen Beeinträchtigungen durch die Sprachstörung, mögliche Begleiterscheinungen sowie in schweren Fällen eine Halbseitenlähmung, die zu einem Leben im Rollstuhl führen kann, verdichten sich zu einem umfassenden Störungssyndrom. Hinzu kommen die psychosozialen Auswirkungen: Es kommt zu einer geänderten Rollenverteilung in der Familie, der Freundeskreis wird geringer. Zudem kann der ursprüngliche Beruf nur noch selten ausgeübt werden, so dass eine Frühverrentung notwendig ist, die wiederum zu einer Einschränkung des gewohnten Lebensstandards führen kann. Es versteht sich, dass vor diesem Hintergrund häufig depressive Erscheinungen beobachtet werden und eine umfassende Krisenbewältigung mit professioneller Hilfe notwendig ist.

Was bedeutet es für die Familie?
Letztlich ist die Familie eines Aphasikers ebenso von der veränderten Gesamtsituation betroffen. Wie ein Steinwurf in einen Teich löst die Aphasie Kreise und Folgen aus, die zu einer vollkommen veränderten Lebenssituation führen können. Das Gesamtsystem der Familie und des Umfeldes ist betroffen. Häufig sind die Ehepartner überfordert und wissen nicht, wie sie mit dem Betroffenen umgehen sollen: Die Ehezufriedenheit sinkt, ein Kreislauf nach unten beginnt.

Was ist zu tun?
Natürlich steht am Anfang eine Information über die Krankheit. Doch das reicht nicht. Genauso wichtig ist ein Eingehen auf die veränderte psychosoziale Situation. Selbsthilfegruppen können dabei eine wesentliche Aufgabe übernehmen, indem aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit ein neuer Halt entsteht. Für die professionelle Hilfe erweist sich neben der eigentlichen Sprachtherapie, Krankengymnastik, Ergotherapie … die Angehörigenarbeit als wesentlicher Baustein im Rahmen einer interdisziplinären Neurorehabilitation. Es gilt, den Kreislauf von unten nach oben umzukehren, in der Veränderung positive Möglichkeiten zu erkennen und einen neuen Sinn zu finden. Letztlich ist dies eine dauerhafte Aufgabe auf dem Weg in ein neues Leben.